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Maria Appleton: Nicht eine Stadt, die war

Maria Appleton stammt aus Lissabon, Portugal, wo sie eine zweijährige Ausbildung im Bereich Textildesign absolvierte. Anschließend zog sie nach London, wo sie im Juli 2019 ihr Studium in Textildesign am Chelsea College of Arts, UAL, in London abschloss. Im Jahr 2018 erhielt sie ein Stipendium der Kyoto University of Technology für ein Forschungsprojekt im Bereich Textilien. Darüber hinaus entwickelte sie mit Zara eine nachhaltige Kollektion für Kinderbekleidung und entwarf Schuh-Protoypen für NIKE. Momentan lebt und arbeitet Maria Appleton in Lissabon.

maria-appleton.com

„Nicht eine Stadt, die war“

Die Arbeit von Maria Appleton erforscht die Beziehung zwischen Körper und Raum. Sie ist der Meinung, dass mit jeder Architektur Regeln und Normen verknüpft sind, die beim Menschen bestimmte Verhaltensweisen auslösen. Mit ihren Arbeiten hinterfragt Maria Appleton diese Normen. Ihre gefärbten Stoffbahnen legen sich dabei wie farbige Filter auf den Raum. Für ihre Arbeit in Pforzheim spielte die Zerstörung der Stadt Pforzheim im zweiten Weltkrieg eine große Rolle: Ihre Installation „Nicht eine Stadt, die war“ entstand in und für die ehemalige Männerschwimmhalle des Emma-Jaeger-Bades, einem der wenigen erhaltenen Gebäude aus der Vorkriegszeit. Da dieser Ort allerdings nur virtuell zugänglich ist, beschäftigt sich ihre Arbeit mit Fragen nach Präsenz, heilenden Kräften und Vorstellungswelten und schafft zudem einen Bezug zur Bäder-Kultur in Baden-Württemberg. Die Installation aus farbigen Stoffbahnen hinterfragt, wie wir die unbewusste Wirkung, die Räume auf den Menschen ausüben, wieder aufgreifen und gleichzeitig die virtuellen Beziehungen zwischen Farbe und Materie erfahrbar machen können. Sie experimentierte dafür mit Bewegungen im virtuellen Raum und schuf so eine sich ständig verändernde Installation. In Zusammenarbeit mit einer Tänzerin des Theaters Pforzheim entstand darüber hinaus eine Performance in Interaktion mit der Installation.

https://mariappleton.squarespace.com/nicht-eine-stadt-die-war

NICHT EINE STADT, DIE WAR
NOT A CITY THAT WAS

It is not about death
It is about the virtual and the real.
About the real and its nature.
It is about so natural that seems unreal,
and distortion that is true.
It is about bodies in spaces
In places looking for them..
It is about fabric, fluid, water like it.
It is not about death,
It is not about a city that doesn’t exist
It is not about memory
But about a celebratory existence of the new.
About the present that is in front,
Rising, turning into future
In present space
Onde presencialmente estou
It is about physicality
About the dough
About the power of physics and scientific looking through
Reliable – Perspective – incapable of being from one point.
It is about a space that is always a continuum:
vertically and horizontally.
It is about healing,
Sanus per Aquam,
It is about you – diving,
Me – observing
It is about Connection Interconnection and Interstitiality.
It is about you towards the hole
Leaning against
or under the whole.
A space that partially was non existent
If you didn’t, in it, exist
Now that you do
It is matter forever
It is the chance
The possibility
Of a reality, conceived, understood
It is not about preconception
It is The allowance for free conception
By you
Rising a city
A city of new beginnings
It is not about a city that was,
Its is not about fixing
Its is not about death
It is a sacred – standing – manifestation on being present
on zeitgeist
on you in space.

Maria Appleton 2020


Mira Kim: In Flux

Mira Kim wurde in Seoul geboren, wo sie auch Metalldesign an der Hanyang University studierte. Anschließend absolvierte sie den Masterstudiengang Edelstein und Schmuck an der Hochschule Trier in Idar-Oberstein. Im Jahr 2019 stellte sie ihre Arbeiten auf der Marzee Graduation Show in München aus und war wurde von klimt02 als „Selected Graduate“ für die Hochschule Trier ausgezeichnet.

„In Flux“

Die Schmuckdesignerin Mira Kim verarbeitet in ihren Werken Informationen, um Eindrücke und neue Perspektiven zu schaffen, die dem Betrachter eine Neubewertung dieser Informationen ermöglichen. In Pforzheim beschäftigte sich Mira Kim intensiv mit dem alten Emma-Jaeger-Bad und der Männerschwimmhalle. Sie führte Recherchen und Interviews über das alte Bad durch. So entstand „In Flux“, eine Reihe aus Schmuckstücken und Objekten, die eine Verbindung zwischen der Schwimmhalle, den Menschen die dort arbeiteten oder geschwommen sind und der Stadt Pforzheim herstellen.


Jaspar Rogers: Political playground

Jaspar Rogers studierte zunächst Naturwissenschaften, bevor er 2019 sein Design-Studium an der Goldsmiths University of London abschloss. Rogers bezeichnet sich als antidisziplinärer Designer, sein Fokus liegt auf der Schaffung von sozialen Gütern und ökologischer Nachhaltigkeit. So realisierte er beispielsweise bereits Projekte zu Themen wie Obdachlosigkeit, Umweltverschmutzung, Gender Stereotypen oder dem Recyceln von Plastik.

jaspar-ginge.wixsite.com/jaspar-rogers

„Political playground“

Unter Politik versteht Jaspar Rogers den Prozess, Informationen zu verarbeiten um daraufhin eine Strategie zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen. Doch wie kann man im Zeitalter der Vereinfachung, Falschinformationen, der algorithmischen Validierung und der spaltenden Sprache lernen und vermitteln, mit der Informationsflut umzugehen? Um dies herauszufinden, führte Jaspar Rogers Workshops an zwei Pforzheimer Gymnasien sowie am Haus der Jugend durch. Aus den Ergebnissen dieser Workshops identifizierte er vier Denkstrukturen, mit denen Kinder und Jugendliche politische Prozesse nachvollziehen können. Um diese Denkstrukturen auch physisch erfahrbar zu machen, entwickelte er den „political playground“ (politischer Spielplatz), eine Reihe aus Objekten, deren Bewegungsabläufe die Denkstrukturen symbolisieren.

1. The Connector (der Verbinder)

Nachdem ein interessantes Thema ausgewählt wurde, überprüft der Konnektor seine Vorgehensweise, indem er seine Verknüpfungen mit anderen Themen vorstellt. Dies demonstriert Systemdenken und kann helfen die eigene Perspektive auf positive und negative Ergebnisse zu erweitern. Jeder grüne Block repräsentiert einen von vierzehn Politikbereichen. Um das Spielgerät nutzen zu können, muss der Teilnehmer seine Ausgangskategorie physisch mit so vielen anderen Blöcken wie möglich verbinden. Dabei sollte der Benutzer berücksichtigen, wie sich Änderungen in einem anderen Block auf ihren Ausgangspunkt und umgekehrt auswirken könnten. Sobald der Spieler fertig ist, sollte er eine Verbindungslinie auswählen, auf die er sich konzentrieren möchte, und diese zum nächsten Spiel mitzunehmen. Zum Beispiel könnte der Benutzer sich für den Klimawandel interessieren, hat aber möglicherweise die Auswirkungen des Wohnens auf das Klima nicht berücksichtigt.

2. The Shooter (Der Schütze)

Der Shooter konzentriert sich auf die Problemlösung und generiert kontinuierlich Ideen für eine Strategie oder Politik, die auf ein bestimmtes Ergebnis abzielen. Durch die Rationalisierung und Kritik jedes hypothetischen Szenarios, wird die Idee des Shooters mit jedem Durchgang verfeinert. Der Shooter erhält für jede neue Idee, die ihm einfällt, Munition. Um eine erfolgreiche Idee einzubringen, muss er versuchen, seinen Schuss im Ziel auf der anderen Seite der Matte zu landen. Dadurch, dass der Spieler diesen Prozess durchläuft, bevor er weiterspielen darf, ist er gezwungen, tiefer über die vielschichtige Natur des Problems, das gewählt wurde, nachzudenken. Die erfolgreiche Lösung wird dann auf die nächste Übung übertragen.

3. The Builder (der Erbauer)

Um eine stabile Struktur aufzubauen, die seinen Vorschlag unterstützt, erkennt der Builder die Risiken, die mit seinen Ambitionen und Plänen von oben nach unten verbunden sind, bevor er aufbaut. Auf diese Weise sind die Grundlagen vorhanden, um Problemen in den verschiedenen Phasen seiner politischen Zusammensetzung entgegenzuwirken. Die grünen Bälle repräsentieren Lösungen und jeder schwarze Ring stellt ein Problem dar, das sich aus der darüber liegenden Lösung ergeben könnte. Um die Bälle loszulassen und die Pyramide zu bauen, müssen die Spieler zwei Probleme erkennen, die aus der obigen Idee entstehen könnten und dann der nächste Ball unter diesem Problem stellt die Lösung dar, und so weiter. Wenn die Idee des Spielers beispielsweise darin bestünde, Autos aus den Stadtzentren zu verbannen, könnten zwei Probleme auftreten: Staus in den öffentlichen Verkehrsmitteln und die Vernachlässigung von Menschen, die bereits ein Auto haben und somit für die Zugänglichkeit mit Auto angewiesen sind. Die nächsten drei Bälle würden dann dazu verwendet werden, diese Probleme anzugehen und der Prozess wiederholt sich.

4. The Balancer (der Ausgleicher)

Eine Vielzahl von Anliegen und Themen zu haben, ist wie ein Balanceakt. Der Balancer ist in der Lage, die verschiedenen Aspekte eines idealen Szenarios abzuwägen und ein Gleichgewicht durch Kompromisse zu erzielen. Der Spieler hat möglicherweise festgestellt, dass er durch diesen Prozess Themen berührt hat, die er ursprünglich nicht mit seinem Ausgangspunkt in Verbindung gebracht hatte. In diesem Fall sollte er zur ersten Übung zurückkehren und sie jetzt verbinden. Die Wippe stellt das Overton-Fenster dar, eine Skala der Veränderung von keine Veränderung in der Mitte, bis hin zu radikalen Veränderungen auf beiden Seiten. Die Spieler sollten versuchen ihre Blöcke in zeitlicher Reihenfolge auszubalancieren, wobei die erste Änderung, die sie vornehmen würden, am unteren Ende, unter Berücksichtigung des Maßstabs, liegen würde. Diese Übung zwingt die Spieler, über eine gründliche Strategie nachzudenken und abzuwägen, inwieweit sie bereit wären, radikal zu entscheiden, wenn ein anderes Thema auf dem Spiel steht.


Jury

Sam Tho Duong/ Schmuckdesigner

Sam Tho Duong besuchte nach seiner Goldschmiedelehre am Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät in Pforzheim und bei der Dr. Wellendorff GmbH die Hochschule für Gestaltung in Pforzheim, die er 2002 mit einem Diplom abschloss. Seither arbeitet er als freischaffender Designer und ist für seinen detaillierten und vielschichtigen Körper- und Halsschmuck bekannt, v.a. für seine Kollektion „Frozen“  aus Süßwasser-Reiskornperlen. Seine Arbeiten sind Teil privater und musealer Sammlungen, u.a. im Schmuckmuseum Pforzheim, im Museums of Art and Design in New York oder im CODA Museum Apeldoorn. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Preise, u.a. den Staatspreis Baden-Württemberg, den Friedrich Becker Preis oder den Herbert-Hofmann-Preis.

Bettina Weiss/ Senior Designer bei adidas

Bettina Weiss studierte nach einer Ausbildung zur Schneiderin und einer Tätigkeit im Theater Modedesign an der Hochschule Pforzheim. Während des Studiums arbeitete sie als Technical & Color Designer für adidas Stella Mc Cartney, anschließend war sie für adidas Sport Performance Design tätig. Aktuell ist Bettina Weiss Senior Designer bei adidas Heartbeat Sports/Specialist Sports. Seit 2016 ist sie zudem Lehrbeauftragte für Sport- und Freizeitbekleidung an der Hochschule Pforzheim.

Stefan Lippert/ Geschäftsführer UP Designstudio

Stefan Lippert ist einer der geschäftsführenden Gesellschafter des UP Designstudios, das zu den größeren Beratungsunternehmen für Produktdesign in Deutschland gehört.
Das Büro arbeitet für seine überwiegend marktführenden Auftraggeber im Themenkreis Nutzerorientierung – Innovation – Design. Die Arbeiten von UP Designstudio wurden bis heute mehr als vierzig Mal mit renommierten internationalen Designpreisen ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer und Berater bei UP Designstudio ist Stefan Lippert auch als Startup-Unternehmer aktiv. So entstanden unter seiner Leitung jeweils in der frühen Phase das ELMOTO Elektromotorrad und die GIBBON Slacklines.